Wie bei einem Dachgeschossausbau sinnvoll gespart werden kann

Bei den über 100 Dachgeschossausbauten, bei denen ich über die letzten 10 Jahre beteiligt war, ist mir immer wieder Aufgefallen wieviel Sparpotential durch fehlende Koordination ungenützt bleibt. Dies ist keine Anklage an überbordende Bauherrenwünsche, unkreative Architekten, faule Statiker oder unfähige Baufirmen, sondern eher ein kleiner Vergleich verschiedener Dachgeschossausbauten und wie mit ein paar Richtlinien viel Geld und Bauzeit gespart werden kann.

Das ganze Geheimniss einer leichten Konstruktion liegt natürlich in der Einfachheit. Im Idealfall spannt ein Rahmen von Aussenwand, über die Mittelwand, zu Aussenwand und verteilt sein Gewicht gleichmässig auf den Bestand. Dies ist in den seltensten Fällen der Fall und meisstens muss man damit Leben, dass von Aussen zu Mittelwand ein Halbrahmen spannt, der an Begleitträgern entlang der Kamine anschliesst. Solche Konstruktionen machen sowohl die Bemessung als auch die Herstellung einfacher, da viele Elemente kopiert werden können. Die Stahlpfetten zwischen den Rahmen steifen die Konstruktion nur aus oder dienen den Decken als Auflager. Aus dem Pool meiner Projekte habe ich mich auf die Strassentrakte von Projekten in geschlossener Bauweise beschränkt, bei denen 2 Dachgeschosse unter Steildach, errichtet wurden. Unterzüge in der Bodenebene sowie Balkonkonstruktionen wurden für eine bessere Vergleichbarkeit ignoriert.

Dachdraufsicht 3D Modell der DK Grundfläche DK Gewicht  g-DK/m²
   215m² 13,9to 65kg/m²
   194m² 11,4to 59kg/m²
   160m² 9,8to 61kg/m²
  285m² 14,9to 52kg/m²

 Wie man an den Modellen erkennen kann, benötigen die Konstruktionen weniger unterschiedliche Profile je mehr es gelingt dass die Stahlachsen nicht bei jeder tragenden Wand springen. Auf der anderen Seite gibt es aber jede menge Planungen die genau das Verhindern. Manche Planungen ermöglichen auch keinerlei neubewertung der Tragstruktur, da das Fensterbild der Einreichung gewahrt bleiben muss und, solange keine neuen Stützen hinter einer Terrassenverglasung möglich sind, die Stahlachsen kaum verändert werden können. Vorallem durch getrennte Achsen in verschiedenen Geschossen müssen die Stahlpfetten um einiges mehr können um die Rahmenlasten auszuwechseln. Eine Auswahl der Projekte bei denen es dank der Pläne unmöglich war klare Stahlachsen durchzuziehen:

Dachdraufsicht 3D Modell der DK Grundfläche DK Gewicht  g-DK/m²
162m² 14,5to 90kg/m²
207m² 17,5to 85kg/m²
215m² 18,3to 85kg/m²

Da alle diese Dachausbauten auf einer ähnlichen Grundfläche das gleiche Bauziel haben: die Errichtung von 2 Dachgeschossen in den 4,5m über der Bauhöhe, habe ich das Gewicht der Stahlkonstruktion pro m² Grundfläche angegeben. Wie man deutlich sieht gibt es bei zerrissenen Achsen gute 40% mehr an Stahl zu verbauen. Natürlich gibt es noch andere Faktoren die stärkere Stahlprofile bedingen können (Aufbauten, A2-Decken über Gangbereichen, Architektonische Besonderheiten die erhalten werden müssen, uvm.) aber bei dieser Aufstellung handelt es sich um im allgemeinen simple kleine Projekte.

Grundsätzlich gibt es immer mehrere Faktoren die zu solchen Konstruktionen führen und es soll hier keine der projektbeteiligten Parteien im besonderen angeklagt werden. Eher soll dies ein Plädoje für bessere Projektkommunikation sein, dass solche kostensteigenden Faktoren früh angesprochen werden. Aber um ein Beispiel zu bringen: Ein lapidarer Wunsch des Bauherren, ein grösseres Terrassenfenster in einer Einheit zu haben, der von der Architektur ohne Rücksicht auf Tragwerke umgesetzt wird, kann schnell zu einer aufwändigen Stahlkonstruktion, aufwändigen Stahlbauplänen und einer Baufirma am rande des Nervenzusammenbruchs führen. Was sich natürlich bei möglichen Änderungen genauso wieder in noch mehr Revisionsplänen niederschlägt. Der letztendlich unzufriedene wäre der Bauherr, denn Mehraufwände haben immer monetäre oder terminliche Auswirkungen.

Abschliessend möchte ich vorallem darauf hinweisen, dass viele Faktoren, die Auswirkungen auf die Tragstruktur haben können oder zumindest eine Ressourcensparende version davon, zum Zeitpunkt der Einreichung oft noch unbekannt sind. Es ist nie falsch hier mit Mehrkosten zu rechnen wenn es zu umplanungen augrund geänderter Bestandsaufnahmen kommt. Im vorhinein eine sparende Konstruktion anzustreben, kann dafür die notwendigen reserven schaffen.